Braunsdorf im Zschopautal

... ein Ortsteil der Gemeinde Niederwiesa stellt sich vor 

Wandern in und um Braunsdorf.

Auf den folgenden Unterseiten stellen wir Ihnen zahlreiche Möglichkeiten dar, in, um und durch Braunsdorf zu spazieren, zu wandern und mit dem Rad zu fahren. Neben den Braunsdorfer Wegen (A)welche mehrheitlich am Ortszentrum (Bahnübergang) beginnen, haben wir weitere Routen (B) zusammengestellt, welche allesamt Wanderbüchern, Wanderheften und Zeitungsartikeln der vergangenen 110 Jahre entnommen wurden. Die Touren sind jedoch nicht wortwörtlich nach den Werken wiedergegeben, da dies a) zu umfangreich wäre und b) teilweise angegebene Wegmarken nicht mehr existieren, vielmehr beschreiben wir die Strecken mit eigenen, prägnanten Worten. Es sollte für jeden etwas dabei sein. Wir würden uns freuen, wenn wir durch unsere Aufstellung Ihnen bei Ihrer Planung Ihres individuellen Zschopautal-Ausflugs haben helfen können.

Neben kleineren Rundwanderungen ist Braunsdorf ein Teil regionaler Wanderrouten und Pedaljüngern auch als Station des Zschopautal-Radweges bekannt. Die hiesigen Wege sind gut ausgebaut, instandgesetzt und ausgeschildert. Wir bemühen uns, diesen Standard zu halten und insbesondere die Wegweisungen vollständig und intakt zu halten.  

Die Routen können an einem beliebigen Punkt begonnen oder beendet und auch in beiderlei Richtung begangen werden. Besucherparkplätze bietet Braunsdorf zum einen beidseits der Fünferbrücke, wenn man den Ort aus Richtung Lichtenwalde erreicht und am ehemaligen Fahrschulplatz beim Eisenbahnviadukt, wenn man Braunsdorf aus Richtung Frankenberg/Altenhain oder Niederwiesa erreicht.

Zur Historie des Tourismus und der Naherholung in hiesiger Gegend

Braunsdorf war und ist, ebenso wie der Nachbarort Lichtenwalde, ja gar die ganze Umgebung, ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel. Schon der Chemnitzer Anzeiger von 1801 warb für den Landschaftspark Lichtenwalde als Ausflugsziel. Seitdem sind zahlreiche Wanderwege von örtlicher, regionaler und sogar überregionaler Bedeutung entstanden.

In den Jahren 1794 bis 1802 ließ der damalige Graf auf Lichtenwalde, Friedrich II. August, mit der Anlage des Landschaftsparkes ein Wegesystem errichten, welches noch heute den Wanderer entlang der Zschopau  und immer wieder hinauf zu den Höhen führt. Der Landschaftspark reichte von der Mündung des Zapfenbachs bei der Oesterheltbrücke bis zum Harrasfelsen. Nachdem der Schlosspark Lichtenwalde in der Übergangszeit des pompösen Barock zum zierlicheren Rokoko angelegt wurde, entstand der Landschaftspark in der darauffolgenden entgegengesetzten romantischen Strömung. Shaftesbury, ein Vertreter der damals aus England kommenden Stilrichtung,  schrieb damals. „Selbst die rauen Felsen, die moosigen Höhlen, die unregelmäßigen natürlichen Grotten und gebrochenen Wasserfälle mit all der rauen Anmut der Wildnis, die die Natur darstellen, werden mir reizend und prächtig erscheinen, weit mehr als die Steife Geziertheit fürstlicher Gärten.“ Man kam damals von geraden Linien ab und erfreute sich an allem natürlich Unregelmäßigen.  Damals wurden an gefährlichen Stellen hölzerne Geländer errichtet, an Steilstrecken Treppen und an manch imposanter Stelle eine Ruhebank gesetzt. So zieht sich ein Wanderweg vom Agstenwehr entlang der Zschopau bis zur Oesterheltbrücke und weiter über die Felsentreppe der Würschnitz (dem heutigen Zapfenbach, der übrigens nichts mit den Zapfen der Nadelbäume gemein hat sondern nach einem Herrn Zapf benannt ist) entlang der Hofwiese bis zur Lichtenwalder Mühle und weiter bis nach Ortelsdorf. Auf der anderen Seite des Flusses von der Finkenmühle durch Braunsdorf und von der Fünferbrücke weiter zum Harrasfelsen. Von hier aus entweder als Höhenweg bis nach Gunnersdorf oder ins Altenhainer Steinbruchtal. Besonders im Gebiet der Hofwiese zweigen kleine Wege ab und führen hinauf, beispielsweise auf den Kühleden. Ansichten aus den Jahren 1810 bis 1870 zeigen noch einen alten Steg am Fuße des Harrasfelsens und auf Abbildungen von 1835 bis 1870 sogar die einzige damalige Verbindung Braunsdorfs mit Lichtenwalde, einem Brückensteg.

 

 

Diese beiden Ausschnitte eines Holzstiches von X. A. von Aarland aus der Zeitschrift „Gartenlaube“ aus dem Jahre 1870 sind zwei der wenigen Abbildungen auf denen der Steg am Fuße des Harrasfelsens und der Brückensteg am Harrasfelsen über die Zschopau zu sehen sind.

Auf dieser ältesten Zeichnung des Harrasfelsens (um 1810) ist der Steg deutlich zu erkennen

 Diese Zeichnung (1840) zeigt ebenso den Steg am Fuße es Harrasfelsens

Im 19. Jahrhundert wurden durch neue Lebensmodelle die Voraussetzungen für einen künftigen Tourismus geschaffen und nach und nach setzte das Bewusstsein ein, sich an Sonn- und Feiertagen nicht daheim zurückzuziehen sondern die Freizeit und Erholung bewusst zu zelebrieren, in dem man hinaus in die Vororte, in die Natur zog. Die Sommerfrische wurde zum Stichwort. Ein schönes Beispiel aus früher Zeit ist auch das Anlegen des Lichtenwalder Landschaftsparks. Rasch setzte der noch heute bekannte „Wochenendverkehr“ auch in Braunsdorf ein. Man wanderte, ging spazieren und setzte sich in den Gastwirtschaften nieder. Bald kamen auch kleine Reiseführer auf, welche schon erste Wanderrouten beschrieben. Die Menschen mussten aufgrund der technischen Entwicklung immer weniger arbeiten, weshalb im 20. Jahrhundert eine stetige Verkürzung der Wochenarbeitszeit zu beobachten war. Warum das Jahr 1900 noch ein 10-Stunden-Arbeitstag in einer Sechs-Tage-Woche üblich, so wurde ab 1918/19 bereits ein Acht-Stunden-Arbeitstag und im Sommer 1967 in der DDR die Fünf-Tage-Woche gesetzlich eingeführt. Der Werktätige hatte nun tatsächlich auch Freizeit, sodass sich neben dem Feiertags- auch ein Wochenend- und Feierabendtourismus bilden konnte. Braunsdorf konnte in dieser Situation eine äußerst günstige Lage vorweisen, Nähe und gute Anbindung an eine Großstadt, Lage direkt an einem bedeutenden Ausflugsziel, dem Schloss und Park Lichtenwalde, und eine vielfältige und intakte Flusslandschaft.

Ein Frankenberger Zeitungsartikel aus dem Jahr 1930 verrät uns heute, das der Erzgebirgs-(Veschönerungs-)Verein es sich zur Aufgabe machte, den Weg zwischen dem Harrasfelsen und dem Ort Braunsdorf in Ordnung zu halten. Man beklagte sich schon damals über „Rüpel“, welche die mit viel Mühe und Fleiß errichteten Anlagen wieder „demolieren“. Betroffen sei immer wieder der Stufenweg zum Harrasfelsen gewesen, weshalb 1927 bereits ein Parallelweg, der heutige Weg auf den Felsen, angelegt wurde. Im November 1928 beschloss man, den einstigen Weg zu sperren, da man keine Haftung für eventuelle Unfälle mehr übernehmen konnte. Der neue Weg war zudem für ältere Besucher, Kranke und Kinder bequemer zu begehen, sodass der Harrasfelsen als Anziehungspunkt in keiner Weise gelitten hatte. Es sind sogar zwei verschiedene "Imbissstände" am Harrasfelsen überliefert. Der Tourismus war also schon so stark vertreten, dass sich Geschäfte lohnten. 

Der Landschaftspark stand später lange Zeit im Schatten seines großen Bruders, dem Schlosspark und wurde lag Zeit vernachlässigt. Erst nach der politischen Wende ab 1990 sanierte die Gemeinde Niederwiesa sämtliche Wanderwege, Geländer wurden errichtet und Parkplätze angelegt, so beispielsweise im Herbst 1997 80 Plätze am ehemaligen Braunsdorfer Fahrschulplatz und an der Lichtenwalder Mühle 40 Plätze.

Es sei noch erwähnt, das früher die Hangwälder intensiv zur Brennholzgewinnung genutzt wurden. Die Bäume wurden immer wieder geschlagen, damit sie von neuem austreiben konnten. Deshalb zeigen zahlreiche alte Aufnahmen und Berichte eine freie Sicht ins Zschopautal.  Erst mit dem Aufkommen der Kohle wuchsen die Zschopauhänge wieder wie es die Natur verlangt und wir sie heute kennen.

Ein fester Stand um 1930. Es gab Pfefferminzbonbons, Schokolade, Bananen und Stocknägel.

Ein späterer Stand, war einfacher. Am rechten Baum sieht man noch schön die alte Wegmarkierung, wie sie im Folgenden beschrieben ist.

Zur Kennzeichnung von Wanderwegen

Übrigens: Das (einheitliche) Markieren von Wanderwegen reicht mittlerweile über einhundert Jahre in die Vergangenheit zurück. So wurde beispielsweise bereits 1902 entschieden, den Erzgebirgskammweg einheitlich mit einem blauen Kamm zu markieren. Später wurden die Zugangswege zu den Höhenwegen ebenfalls einheitlich gekennzeichnet, im Gebiet des ehemaligen Kreises Flöha etwa um 1921. Damals wurde bereits die heute als Zschopautal-Wanderweg bekannte Route einheitlich durch einen weißen Kreisring markiert, eine zweite Route, das Flöhatal aufwärts, mit einem weiß umrandeten Dreieck. Diese alten Wegzeichen in weißer Farbe dürften heute kaum mehr existieren. Mittlerweile wurden sie von den bekannten farbigen Zeichen abgelöst.


Die heute gebräuchlichsten Wanderwegmarkierungen sind die 10 Zentimeter im Quadrat messenden weißen Schilder mit farbigem Querbalken. In Gebieten mit überdurchschnittlich vielen Wegen können zusätzlich noch Schilder mit farbigem Punkt eingesetzt werden. 

 

 

 

Fern- und Gebietswanderweg (Europa, national)

 

 

 

Fern- und Gebietswanderweg (überregional, regional)

 

 

 

Orts-, Verbindungs- und Rundwanderweg (bedeutend)

 

 

 

Orts-, Verbindungs- und Rundwanderweg (untergeordnet)

In hiesiger Gegend treffen wir auf den roten Balken als Zeichen für den regionalen Gebietswanderweg „Zschopautal-Wanderweg“ und auf den gelben Balken als Markierung für einen Wanderweg von Chemnitz-Ebersdorf über Lichtenwalde und Niederwiesa bis zum Zeisigwald. Daneben trifft man auch auf den grünen Balken, als Zeichen für den Teufelsschluchtweg nahe der Hofwiese. Hier zeigt sich jedoch auch eine Diskrepanz, denn das grüne Zeichen steht für bedeutenden Orts-, Verbindungs- und Rundwanderweg, das gelbe für einen untergeordneten Orts-, Verbindungs- und Rundwanderweg. Korrekterweise müssten hier die Farben getauscht werden. 

 

 

In Braunsdorf umging man diese Vorgaben und markierte einst 
den Rundweg von den Vorgaben abweichend in orange.

Noch ein Hinweis: die roten Banderolen an vielen Lichtmasten sind KEINE Wanderwegweiser! Es sind sogenannte Laternenringe., 70 mm hoch und 150 mm breit. Das sind offizielle Verkehrszeichen (Zeichen 394 der StVO) und existieren schon seit mindestens 1937. Sie zeigen an, dass diese Straßenlaterne zu festgelegten Zeiten nachts abgeschaltet wird.